Artgerecht gehaltene Pferde sind zufriedene Pferde. Zufriedenheit ist eine Basis für Gesundheit und
Leistungsbereitschaft. (Gibt es auch eine artgerechte Haltung für Menschen?) Der Aktivstall gestattet Pferden eine natürliche
Aktivität und bringt ReiterInnen ein Stück weiter auf dem Weg zum entspannten Reiten.
Werfen Sie einen Blick über den Zaun:
Pferde sind Herdentiere, und ihre Herden sind zur Nahrungssuche und -aufnahme fast permanent in Bewegung. Körperbau und
Organfunktionen sind darauf abgestimmt, und auch ihr Sozialverhalten baut auf Raum und Bewegung. So sieht es jedenfalls
die Natur vor. Die immer noch verbreitete Pferdehaltung in Boxen, mit reduzierter Bewegung erschwert, oder - im schlimmsten Fall - ignoriert das.
So ist es verständlich, daß ein Pferd, das nicht unter vergleichbaren Bedingungen lebt, Verhaltensauffälligkeiten zeigen und gesundheitliche
Probleme haben kann.
Mit dem Aktivstall soll nun den Pferden die Möglichkeit gegeben werden, wieder weitgehend artgerecht zu leben.
Die folgende Übersichtsskizze veranschaulicht das Prinzip: Die
natürlichste Nahrungsquelle ist die Weide, die in ausreichender Größe vorhanden ist. Dort kann die Herde fressend grosse Entfernungen zurücklegen.
In der Natur ist nicht immer da auch Wasser, wo gerade ein Durstgefühl entsteht; darum befinden sich unsere Tränken auch nicht auf dem Weideland,
sondern im abgetrennten Aktivstallbereich, was ebenfalls für Bewegung sorgt. In diesem Bereich finden die Pferde auch Heu und Kraftfutter. Hier
hilft moderne Computertechnik, das sparsame Nahrungsangebot der Natur zu simulieren. Jedes Pferd trägt einen Chip, in dem Informationen zum
individuellem Nahrungsbedarf gespeichert sind. Kraftfutterstation und Heufressbereich sind nur durch sogenannte Selektionstore mit Chipleser
zugänglich; je nach gespeicherter Information wird den Pferden nur zu bestimmten Zeiten der Zugang freigegeben. So ist es möglich, jedem Pferd zu
vorher festgelegten Zeiten exakt dosierte und individuell zusammengestellte Futterrationen zukommen zu lassen. Pferde lernen schnell, sich anderswo nach Nahrung umzusehen,
wenn Ihnen an der Futterstation nichts mehr zugeteilt wird – und bleiben in Bewegung.
Weil sie so einem naturähnlichen Rhythmus folgen, haben unsere Pferde die Möglichkeit,
eine Rangordnung zu entwickeln, die ihnen ein nach ihren Bedürfnissen geregeltes Zusammenleben ermöglicht.
Zur Umsetzung der Idee von der naturnahen Pferdehaltung setzen wir auf die natürliche Intelligenz der Tiere und, wie schon
erwähnt, auf moderne Computertechnik.
In einer naturnahen Umgebung besinnen sich auch "kulturgeschädigte" Pferde auf ihre
Instinkte, wozu auch das Lernen von Artgenossen innerhalb des Herdenverbandes gehört. So entsteht ein Bewegungsablauf, der von
der Futter- und Wassersuche geprägt ist, und in den sich auch Neuankömmlinge schnell eingliedern.
Die Integration der naturfremden
Bestandteile eines Aktivstalls , wie chipgesteuerte Selektionstore oder Kraftfutterstation, in den natürlichen Ablauf funktioniert dank auf Nachahmung
basierender Lernprozesse genauso einfach wie die Akzeptanz zusätzlicher Angebote: die Liegehalle ist zur Zeit der "Renner".
Die Chips können
entweder an einem Halsband getragen oder in die Mähne eingeflochten werden. Die dritte, technisch mögliche Lösung scheitert derzeit noch an einer
unklaren Rechtslage; europäische Bürokratie hat noch keine verbindliche Regelung für das Implantieren der Chips unter die Haut gefunden.
Wir bleiben draussen!
Hier muß Pferd weit laufen...
... um ans Futter zu kommen
zum Vergleich
Zutritt nur mit Einladung: die Kraftfutterstation
Und das ist die Einladung: der Chip
Hier wird die Einladung gelesen: Kontrolleinheit am Selektionstor
Der Weg zum Heu
Wieder auf der Weide
Den Pferden gehts gut: na denn...
Manche begreifen schnell, andere sind langsamer und müssen erst eine Weile den anderen zuschauen, bis sie den Bogen raus haben.
Bei den Pferden ist das nicht anders als bei ihren Besitzern. Aber nach einiger Zeit haben alle es verstanden.
Es ist interessant zu sehen, wie sich
Gemeinschaften bilden, die sich gegenseitig gegen andere, ranghöhere Pferde abschirmen, um so in Ruhe ihre Rationen verzehren zu können.
Wir erwähnten
es schon: die Liegehalle erfreut sich großer Beliebtheit, die Strohraufe ist ein häufig frequentierter Treffpunkt, und die Heuversorgung stößt geradezu
auf Begeisterung...Und genau das hat sich als verbesserungswürdig herausgestellt. Da Pferde bekanntermaßen nicht dumm sind, haben einige
Schlaumeier die Region um die Heuständer zu ihrem Daueraufenthaltsplatz erkoren. Das ist im Sinne des bewegungsfreundlichen Akivstalls, der gesunde
und schlanke Pferde fördern soll, natürlich kontraproduktiv. Abhilfe muß her, und sie wird in Form von zeitlich begrenzter Heuzuteilung realisiert werden.
Es sei aber auch erwähnt, daß eine kontrollierte Heugabe die Resourcen schont und eventuell nötige und kostenintensive Zukäufe reduziert. Das
schont die Geldbeutel aller Beteiligten.
Wir können die ersten Erfahrungen so zusammenfassen: es funktioniert!
Aber sicher. Wir erwähnten es schon: bei manchen dauert es etwas länger, aber das Lernen durch Nachahmen funktioniert gut. Es geht natürlich nicht nur ums Fressen allein; auch die Fresszeiten merkt sich die innere Uhr nach einiger Zeit. Ältere oder rangniedrige Pferde können so zu anderen Zeiten Futter bekommen; Rangeleien vor der Futterstation werden vermieden.Ihr Pferd ist problematisch im Umgang mit anderen Pferden? Die naturnahen Bedingungen des Offenstalls begünstigen soziale Lernprozesse, so daß auch Sorgenkinder eine Chance bekommen. Natürlich hilft auch Geduld und Motivation der Besitzer bei der Eingewöhnung, und auch wir, die Leides helfen gerne bei der Integration mit.Nur in Ausnahmefällen müssen wir Pferde vom Leben im Aktivstall ausnehmen.
So, Sie finden das Thema "Aktivstall" interessant? Dann möchten Sie sicher noch mehr wissen. Zum Beispiel, woher wir unser Konzept haben.
Dies und die nötige Technik liefert uns die Firma "HIT" in Weddingstedt. Hier können Sie sich auf
deren Internetseiten näher informieren.
Und hier noch ein abschließender Panoramablick auf die Halle mit den umgebenden Futtereinrichtungen.